Wasserversorgung in Dorfen: Derzeit stabile Versorgungslage – langfristig große Herausforderung

03. Sep. 2026 Kategorie: Allgemein

Menschen, Tiere und Pflanzen atmen auf – die Hitze der letzten Monate ist zurückgegangen und die dringend erwarteten Regenfälle der letzten Tage tragen zur Entspannung der Situation bei. Viele Menschen haben sich in den letzten Wochen die Frage gestellt, wie sicher die Trinkwasserversorgung in Dorfen ist.

Rund 535.000 Kubikmeter Trinkwasser haben die Stadtwerke Dorfen im Jahr 2025 an die rd. 10.000 Einwohner abgegeben, die über das eigene Leitungsnetz versorgt werden.

Rechnerisch ergibt sich daraus ein durchschnittlicher Verbrauch von 146 Liter pro Kopf und Tag. Zum Vergleich: Laut Bayerischem Landesamt für Statistik lag der Durchschnittsverbrauch im Freistaat bei 136 Litern. Im Vergleich zu 2010 mit einem Durchschnittsverbrauch von 129 Litern ist der Wasserbedarf bayernweit in jedem Jahr gestiegen. Ein Trend, der sich auch in Dorfen bestätigen hat. Für Stadtwerke Geschäftsführer Klaus Steiner ist das eine kritische Entwicklung, denn der Versorger kann Trinkwasser nicht in beliebiger Menge zur Verfügung stellen. Die Zuteilung erfolgt entsprechend dem Wasserhaushaltsgesetz. Maßgeblich sind hierbei der konkrete Bedarf für die öffentliche Trinkwasserversorgung, die ökologischen Kapazitäten des Gewässers und der Schutz des Naturhaushalts. „Die Einwohnerzahl Dorfens wächst und mit einem steigenden Pro-Kopf-Verbrauch infolge zunehmender Trockenheit werden wir bald an unsere Grenze kommen“, so Steiner.

Neben der Jahresmenge ist für die Stadtwerke vor Allem die maximale Tagesabgabe relevant, denn auf diesen Bedarf ist das Netz und die Förderung ausgelegt. Im Jahr 2026 lag die bisherige maximale Tagesabgabe im Juni bei 2.529 Kubikmetern. Doch woher kommt eigentlich das Trinkwasser, dass in Dorfen jeden Tag zuverlässig aus dem Wasserhahn sprudelt? „Derzeit fördern wir unser Trinkwasser, aus den tiefen Gesteinsschichten des Erdzeitalters Tertiär (66 bis 2,6 Millionen) in 160 Metern Tiefe. Aufgrund seines Alters ist das Grundwasser frei von Schadstoffen unserer Industriegesellschaft“, so Klaus Steiner.

Das ist jedoch kein Grund zur Entwarnung. Die Grundwasserneubildung verläuft aufgrund der tiefen Lage und der deckenden Schichten sehr träge und zeitverzögert, allerdings zeigt sich aufgrund der Klimaveränderungen bayernweit ein Trend hin zu niedrigen und stagnierenden Grundwasserständen. Das Tiefengrundwasser in Dorfen wird in alpenrandnaher Lage gebildet. „Spricht man mit Hydrogeologen, dann werden wir in 10 bis 20 Jahre ähnliche Verhältnisse wie im Mangfalltal beobachten“, erläutert der Geschäftsführer.

Wie bereiten sich die Stadtwerke Dorfen auf diese Veränderungen vor? Im ersten Schritt geht es darum, sich im Hinblick auf die Versorgungssicherheit auf mehrere Füße zu stellen. Wo es sinnvoll ist, sollten Wasserversorger miteinander kooperieren, um gemeinschaftlich die Versorgungssicherheit für die Bevölkerung zu erhöhen, zum Beispiel über Verbindungsleitungen zwischen den Netzen. Im Hinblick auf die Trinkwassergewinnung sollte auch innerhalb des eigenen Versorgungsnetzes über mehrere Förderstandorte nachgedacht werden, um der Herausforderung einer nachlassenden Ergiebigkeit der Brunnen entgegenzuwirken. All das wird in den nächsten Jahren viel Geld kosten, ist aber im Hinblick auf eine resiliente Versorgungsstruktur unverzichtbar.

Eine bessere Bewirtschaftung des kostbaren Nass ist ebenfalls anzudenken: Etwa 30 bis 50 % des gesamten täglichen Trinkwasserbedarfs eines Haushalts entfallen auf Bereiche, in denen keine Trinkwasserqualität nötig ist. Aufbereitetes Grauwasser kann vor allem für die Toilettenspülung, die Waschmaschine oder zur Gartenbewässerung genutzt werden. Ebenso kann jeder Mensch durch sein persönliches Verhalten dazu beitragen das die vorhandenen Ressourcen besser und nachhaltiger genutzt werden. Dazu bedarf eines grundsätzlichen Umdenkens – denn ohne Wasser kein Leben.

Hier der Beitrag vom Münchner Merkur zum Thema.